Entwicklung der Berechnung in der Gleitzone

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Grundsätzliches

Mit der Einführung der 400-€-Jobs (Minijobs) am 01.04.2003 wurde auch die Gleitzonenregelung eingeführt.
Die Gleitzone geht bis zum 31.12.2012 von 400,01 € bis 800,00 € (§ 20 Abs. 2 SGB IV; Fassung bis 31.12.2012).
Ab 01.01.2013 geht die Gleitzone von 450,01 € bis 850,00 €.
§ 20 Abs. 2 SGB IV; Fassung ab 01.01.2013:

Eine Gleitzone im Sinne dieses Gesetzbuches liegt bei einem Beschäftigungsverhältnis mit einem daraus erzielten Arbeitsentgelt von 450,01 Euro bis 850,00 Euro im Monat vor, das die Grenze von 850,00 Euro im Monat regelmäßig nicht überschreitet; bei mehreren Beschäftigungsverhältnissen ist das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt maßgebend.

Für Beschäftigungsverhältnisse, die bereits vor dem 1. Januar 2013 bestanden haben, wurden Bestandsschutz- und Übergangsregelungen geschaffen. Für Beschäftigte, die vor dem 1. Januar 2013 in der Gleitzone über 400 bis 450 Euro beschäftigt waren, gilt die frühere Gleitzonenregelung bis zum 31. Dezember 2014 weiter. Für Beschäftigte, die vor dem 1. Januar 2013 ein Arbeitsentgelt oberhalb der Gleitzone von 800 bis 850 Euro erzielten, bleibt es bei der Anwendung des bis dahin geltenden Rechts. Die Beschäftigten können jedoch bis zum 31. Dezember 2014 die Anwendung der neuen Gleitzonenregelung wählen.

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Bestandsschutzregelung bis zum 31. Dezember 2014 für Bestandsfälle mit einem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt zwischen 400,01 Euro und 450 Euro
Übergangsregelung für Bestandsfälle mit einem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt zwischen 800,01 Euro und 850 Euro

Bei einer Beschäftigung innerhalb der Grenzen der Gleitzone, besteht für den ausübenden Arbeitnehmer in allen Zweigen der Sozialversicherung grundsätzlich Versicherungspflicht nach den allgemeinen Vorschriften. Die in den einzelnen Sozialversicherungszweigen geltenden versicherungsrechtlichen Regelungen finden uneingeschränkt Anwendung.

Die in diesem Entgeltbereich Beschäftigten (Midijobs) bleiben damit versicherungspflichtig, der Arbeitnehmer zahlt allerdings einen reduzierten Beitragsanteil in der Sozialversicherung.

Die Gleitzonenregelung wurde eingeführt um bei einer nur geringfügigen Überschreitung der 400-Euro-Grenze nicht weniger netto zu bekommen als in einem 400-Euro-Job. Vor dieser Regelung war es so, dass auch bei einer nur geringfügigen Überschreitung der Geringfügigkeitsgrenzen volle Sozialversicherungs- und Steuerpflicht anfiel. Es musste in dem dann sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis erheblich mehr verdient werden, um mehr Geld netto zu bekommen, wie in dem geringfügigen Arbeitsverhältnis.

Haben Arbeitnehmer ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone, wird für die Berechnung der Beiträge nicht das tatsächliche Arbeitsentgelt genommen, sondern ein fiktives Arbeitsentgelt mittels einer Formel berechnet.

Berechnung von April 2003 bis Dezember 2012 Berechnung ab Januar 2013

F * 400 + (2 - F) * (Arbeitsentgelt - 400)

F * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * F) * (Arbeitsentgelt - 450)

F ist ein Faktor der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales jedes Jahr im Bundesanzeiger bekanntgegeben wird. Er ergibt sich aus der Summe der Pauschalabgaben bei geringfügig entlohnter Beschäftigung geteilt durch den Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz.

Der Ablauf der Berechnung ist im § 163 Abs. 10 SGB VI festgelegt.
Für die Berechnung des Faktor F ist bei der Krankenversicherung ab 2015 der um den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz erhöhte allgemeine Beitragssatz anzusetzen.

Entwicklung der Berechnung des Faktor F seit dem 01.04.2003

Der Faktor F wird immer durch folgende Division ermittelt:
Summe der Pauschalabgaben bei geringfügig entlohnter Beschäftigung (400-Euro-Jobs bzw. 450-Euro-Jobs) / durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz

Bis zum 30.06.2006 lagen die Pauschalabgaben für 400-Euro-Jobs bei 25% (12% Rentenversicherung, 11% Krankenversicherung und 2% Pauschalsteuer).
Ab 01.07.2006 betragen die Pauschalabgaben für 400-Euro-Jobs aber 30% (15% Rentenversicherung, 13% Krankenversicherung und 2% Pauschalsteuer).
Die Höhe der Pauschalabgaben hat sich mit den 450-Euro-Jobs ab 01.01.2013 nicht geändert (15% Rentenversicherung, 13% Krankenversicherung und 2% Pauschalsteuer).

Zeitraum Faktor F Grundsatz zur Berechnung
2003 (ab 01.04.) 0,5995 F = 25% / 41,70% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2004 und 2005 0,5952 F = 25% / 42,00% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2006 (erstes Halbjahr) 0,5967 F = 25% / 41,90% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
    Erhöhung der Pauschalbeiträge für geringfügig entlohnte Beschäftigungen ab 01.07.2006 von 25% auf 30%.
2006 (zweites Halbjahr) 0,7160 F = 30% / 41,90% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2007 0,7673 F = 30% / 39,10% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz
2008 0,7732 F = 30% / 38,80% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2009 0,7472 F = 30% / 40,15% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2010 0,7585 F = 30% / 39,55% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2011 0,7435 F = 30% / 40,35% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2012 0,7491 F = 30% / 40,05% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
    Änderung der Grenzen (ab 01.01.2013 geht die Gleitzone von 450,01 bis 850 Euro). Neue Gleitzonenformel ab 2013.
2013 0,7605 F = 30% / 39,45% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2014 0,7605 F = 30% / 39,45% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2015 0,7585 F = 30% / 39,55% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2016 0,7547 F = 30% / 39,75% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)
2017 0,7509 F = 30% / 39,95% (durchschnittlicher Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz)

Für die Berechnung des Faktors werden die Beitragssätze herangezogen, die zu Beginn des Jahres gelten (§ 163 Abs. 10 SGB VI). Beitragssatzänderungen im Laufe des Jahres haben keinen Einfluss auf den Faktor F.

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Berechnung von 2003 bis 2006 (erstes Halbjahr) - Pauschalabgaben für 400-Euro-Jobs bei 25%

Für die Berechnung des durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz galt:

Der durchschnittliche Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz eines Kalenderjahres ergibt sich aus der Summe der zum 1. Januar desselben Kalenderjahres geltenden Beitragssätze in der allgemeinen Rentenversicherung, in der gesetzlichen Pflegeversicherung sowie zur Arbeitsförderung und des durchschnittlichen allgemeinen Beitragssatzes in der gesetzlichen Krankenversicherung, der zum 1. März des Jahres festgestellt wurde, in dem der durchschnittliche Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz für das folgende Kalenderjahr zu ermitteln ist.

Bis 2008 gab es individuelle Beitragssätze der Krankenkassen. Für die Krankenversicherung wurde also mit einem Durchschnittswert gerechnet. Dieser wurde am 1. März ermittelt und für das folgende Kalenderjahr angewendet.

Bis zum 30.06.2006 lagen die Pauschalabgaben für 400-Euro-Jobs bei 25% (12% Rentenversicherung, 11% Krankenversicherung und 2% Pauschalsteuer).

Berechnung 2003 2004 2005 2006 (erstes Halbjahr)
Renten­versicherung 19,50% 19,50% 19,50% 19,50%
Arbeitslosen­versicherung 6,50% 6,50% 6,50% 6,50%
Pflege­versicherung 1,70% 1,70% 1,70% 1,70%
Kranken­versicherung 14,00% 14,30% 14,30% 14,20%
Gesamt­sozial­versicherungs­beitragssatz (Summe) 41,70% 42,00% 42,00% 41,90%
Faktor F
(25% geteilt durch den Gesamt­sozial­versicherungs­beitragssatz;
gerundet auf vier Dezimalstellen)
0,5995
(25%/ 41,70%)
0,5952
(25%/ 42,00%)
0,5952
(25%/ 42,00%)
0,5967
(25%/ 41,90%)

Berechnung von 2006 (zweites Halbjahr) bis 2012 - Pauschalabgaben für 400-Euro-Jobs bei 30%

Am 01.01.2009 erfolgte die Einführung des einheitlichen Beitragssatzes in der gesetzlichen Krankenversicherung. Damit war ab diesem Zeitpunkt keine Durchschnittsberechnung mehr notwendig. Es wurde wie bei den anderen Sozialversicherungszweigen der zum 1. Januar desselben Kalenderjahres geltende Beitragssatz genommen.

Ab 01.07.2006 betragen die Pauschalabgaben für 400-Euro-Jobs 30% (15% Rentenversicherung, 13% Krankenversicherung und 2% Pauschalsteuer).

Berechnung 2006 (zweites Halbjahr) 2007 2008 2009 2010 2011 2012
Renten­versicherung 19,50% 19,90% 19,90% 19,90% 19,90% 19,90% 19,60%
Arbeitslosen­versicherung 6,50% 4,20% 3,30% 2,80% 2,80% 3,00% 3,00%
Pflege­versicherung 1,70% 1,70% 1,70% 1,95% 1,95% 1,95% 1,95%
Kranken­versicherung 15,50% 14,90% 15,50% 15,50%
Gesamt­sozial­versicherungs­beitragssatz (Summe) 41,90% 39,10% 38,80% 40,15% 39,55% 40,35% 40,05%
Faktor F
(30% geteilt durch den Gesamt­sozial­versicherungs­beitragssatz;
gerundet auf vier Dezimalstellen)
0,7160
(30%/ 41,90%)
0,7673
(30%/ 39,10%)
0,7732
(30%/ 38,80%)
0,7472
(30%/ 40,15%)
0,7585
(30%/ 39,55%)
0,7435
(30%/ 40,35%)
0,7491
(30%/ 40,05%)

Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2010
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2011
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2012

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Berechnung von 2013 bis 2017 - Änderung der Grenzen - Pauschalabgaben für 450-Euro-Jobs bei 30%

Der Bundesrat hat in seiner 903. Sitzung am 23.11.2012 die Minijob-Reform gebilligt.
Die Arbeitsentgeltgrenze bei geringfügiger Beschäftigung wurde zum 1. Januar 2013 auf 450 Euro angehoben. Entsprechend wurde die Grenze für das monatliche Gleitzonenentgelt auf 850 Euro angepasst. Die Gleitzone geht ab 2013 von 450,01 bis 850,00 Euro.

Berechnung 2013 2014 2015 2016 2017
Renten­versicherung 18,90% 18,90% 18,70% 18,70% 18,70%
Arbeitslosen­versicherung 3,00% 3,00% 3,00% 3,00% 3,00%
Pflege­versicherung 2,05% 2,05% 2,35% 2,35% 2,55%
Kranken­versicherung 15,50% 15,50% 15,50%
(14,60% + 0,9%)
15,70%
(14,60% + 1,1%)
15,70%
(14,60% + 1,1%)
Gesamt­sozial­versicherungs­beitragssatz (Summe) 39,45% 39,45% 39,55% 39,75% 39,95%
Faktor F
(30% geteilt durch den Gesamt­sozial­versicherungs­beitragssatz;
gerundet auf vier Dezimalstellen)
0,7605
(30%/ 39,45%)
0,7605
(30%/ 39,45%)
0,7585
(30%/ 39,55%)
0,7547
(30%/ 39,75%)
0,7509
(30%/ 39,95%)

Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2013
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2014
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2015
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2016
Beitragsberechnung in der Gleitzone für 2017

Auswirkung des Faktor F auf die Bestimmung der fiktiven beitragspflichtigen Einnahme

Zeitraum Faktor F Fiktive beitragspflichtige Einnahme bei einem Arbeitsentgelt von 600 € Gleitzonenformel
2003 (ab 01.04.) 0,5995 519,90 €  
 
 
 
 
 
F * 400 + (2 - F) * (Arbeitsentgelt - 400)
2004 und 2005 0,5952 519,04 €
2006 (1. Halbjahr) 0,5967 519,34 €
    Erhöhung der Pauschalbeiträge für geringfügig entlohnte Beschäftigungen von 25% auf 30%.
2006 (2. Halbjahr) 0,7160 543,20 €
2007 0,7673 553,46 €
2008 0,7732 554,64 €
2009 0,7472 549,44 €
2010 0,7585 551,70 €
2011 0,7435 548,70 €
2012 0,7491 549,82 €
    Änderung der Grenzen (ab 01.01.2013 geht die Gleitzone von 450,01 bis 850 Euro). Neue Gleitzonenformel ab 2013.
2013 0,7605 532,64 €  
 
 
F * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * F) * (Arbeitsentgelt - 450)
2014 0,7605 532,64 €
2015 0,7585 532,08 €
2016 0,7547 531,01 €
2017 0,7509 529,94 €
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