Beitragsberechnung bei Mehrfachbeschäftigten in der Gleitzone

Aktuelles

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Seit dem 01.01.2012 hatten Arbeitgeber bei einer versicherungspflichtigen Mehrfachbeschäftigung gegenüber der zuständigen Krankenkasse eine GKV-Monatsmeldung abzugeben. Ab 2015 entfällt diese Meldung der Arbeitgeber und die Rückmeldung der Krankenkasse über die Höhe des Gesamtarbeitsentgelts.

Auszug aus dem Rundschreiben zur versicherungs-, beitrags- und melderechtlichen Behandlung von Beschäftigungsverhältnissen in der Gleitzone vom 9. Dezember 2014:

Für Abrechnungszeiträume ab dem 01.01.2015 haben die Arbeitgeber bei mehrfachbeschäftigten Arbeitnehmern - wie vor dem 01.01.2012 - grundsätzlich ohne unmittelbare Beteiligung der Krankenkassen festzustellen, ob die Summe der Arbeitsentgelte aus den einzelnen Beschäftigungsverhältnissen innerhalb der Gleitzone liegt. Ebenfalls ist von den Arbeitgebern bei Anwendung der Gleitzonenregelungen eigenständig das der Beitragsbemessung zugrunde zu legende Gesamtarbeitsentgelt zu ermitteln. Die Arbeitnehmer sind in diesem Zusammenhang nach § 28o Abs. 1 SGB IV dazu verpflichtet, allen beteiligten Arbeitgebern die zur Durchführung des Meldeverfahrens und der Beitragszahlung erforderlichen Angaben zu machen und, soweit erforderlich, Unterlagen vorzulegen.

Prüfung des Anwendungsbereichs der Gleitzonenregelung

Werden mehrere Beschäftigungen ausgeübt, sind für die Prüfung des Anwendungsbereichs der Gleitzonenregelung nur die Arbeitsentgelte zusammenzurechnen, die aus versicherungspflichtigen Beschäftigungen erzielt werden.

Geringfügig entlohnte Beschäftigungen, die nur in der gesetzlichen Rentenversicherung aufgrund des Verzichts auf die Rentenversicherungsfreiheit versicherungspflichtig sind, zählen nicht wegen der gewählten Rentenversicherungspflicht als versicherungspflichtige Beschäftigung.

Hat ein Arbeitnehmer, ohne versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung, mehrere 450-Euro-Jobs bei verschiedenen Arbeitgebern nebeneinander, sind die Arbeitsentgelte aus diesen Beschäftigungen zusammenzurechnen. Wird bei der Zusammenrechnung mehrerer 450-Euro-Jobs die monatliche Grenze von 450 Euro überschritten, so handelt es sich nicht mehr um versicherungsfreie Minijobs.

Arbeitnehmer, die bereits eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung haben, können neben dieser einen sozialversicherungsfreien 450-Euro-Job ausüben. Der zweite und jeder weitere 450-Euro-Minijob wird aber mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet und ist in der Regel versicherungspflichtig in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung.

Beispiel 1:
Beschäftigung A: monatliches Arbeitsentgelt 400 Euro
Beschäftigung B: monatliches Arbeitsentgelt 200 Euro
Die monatlichen Arbeitsentgelte der beiden geringfügigen Beschäftigungen liegen jeweils unterhalb der Gleitzone. Die Arbeitsentgelte aus diesen Beschäftigungen sind aber zusammenzurechnen. Aufgrund der Zusammenrechnung tritt Versicherungspflicht ein. Da der Betrag von 600 Euro in der Gleitzone liegt, finden die besonderen Regelungen zur Gleitzone Anwendung.

Beispiel 2:
Beschäftigung A: monatliches Arbeitsentgelt 500 Euro
Beschäftigung B: monatliches Arbeitsentgelt 500 Euro
Die monatlichen Arbeitsentgelte der beiden Beschäftigungen liegen jeweils in der Gleitzone. Die Arbeitsentgelte aus diesen Beschäftigungen sind aber zusammenzurechnen. Da der Betrag von 1.000 Euro über der Gleitzonengrenze liegt, finden die besonderen Regelungen zur Gleitzone keine Anwendung.

Beispiel 3:
Beschäftigung A: monatliches Arbeitsentgelt 600 Euro
Beschäftigung B: monatliches Arbeitsentgelt 300 Euro
Bei Beschäftigung A handelt es sich um eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung. Arbeitnehmer, die bereits eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung haben, können neben dieser einen sozialversicherungsfreien 450-Euro-Job ausüben. Darum handelt es sich bei Beschäftigung B. Eine Zusammenrechnung der Arbeitsentgelte aus beiden Beschäftigungen ist ausgeschlossen. Die besonderen Regelungen zur Gleitzone finden daher auf die Beschäftigung A Anwendung.

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Beispiel 4:
Beschäftigung A: monatliches Arbeitsentgelt 600 Euro
Beschäftigung B: monatliches Arbeitsentgelt 300 Euro
Beschäftigung C: monatliches Arbeitsentgelt 350 Euro
Bei Beschäftigung A handelt es sich um eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung. Arbeitnehmer, die bereits eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung haben, können neben dieser einen sozialversicherungsfreien 450-Euro-Job ausüben. Darum handelt es sich bei Beschäftigung B. Ausgenommen von der Zusammenrechnung mit der versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung wird stets der zeitlich zuerst aufgenommene Minijob. Die Beschäftigung C wurde als letztes aufgenommen. Dieser Minijob wird mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet. Da die Summe der Arbeitsentgelte (A und C) die obere Gleitzonengrenze übersteigt, finden für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung die besonderen Regelungen zur Gleitzone keine Anwendung.
In der Arbeitslosenversicherung werden geringfügig entlohnte Beschäftigungen mit der versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nicht zusammengerechnet. Damit bleibt Beschäftigung A in der Arbeitslosenversicherung ein Gleitzonenfall.

Grundlagen der Beitragsberechnung bei Mehrfachbeschäftigung

Wenn mehrere versicherungspflichtige Beschäftigungen ausgeübt werden, deren Arbeitsentgelte jedoch in der Summe innerhalb der Gleitzone liegen, sind die für die Berechnung der Arbeitnehmerbeitragsanteile zugrunde zu legenden reduzierten beitragspflichtigen Einnahmen für die einzelnen Beschäftigungen nicht nach der allgemeinen Gleitzonenformel zu ermitteln. Die reduzierte beitragspflichtige Einnahme wird in diesen Fällen auf der Grundlage des Gesamtarbeitsentgelts ermittelt und im Verhältnis der jeweiligen Arbeitsentgelte zum Gesamtarbeitsentgelt aufgeteilt.

Mit der Änderung der Grenzen der Gleitzone ab 2013 gibt es ab diesem Zeitraum eine neue Gleitzonenforme.

Seit dem 01.01.2012 hatten Arbeitgeber bei einer versicherungspflichtigen Mehrfachbeschäftigung gegenüber der zuständigen Krankenkasse eine GKV-Monatsmeldung abzugeben. Ab 2015 entfällt diese Meldung der Arbeitgeber und die Rückmeldung der Krankenkasse über die Höhe des Gesamtarbeitsentgelts.
Die Einzugsstelle prüft ab 2015 bei einer versicherungspflichtigen Mehrfachbeschäftigung auf Grundlage der eingegangenen Entgeltmeldungen, ob die in dem sich überschneidenden Meldezeitraum erzielten Arbeitsentgelte insgesamt die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung überschreiten. Wenn das der Fall ist, fordert die Einzugsstelle die beteiligten Arbeitgeber auf, für den zu beurteilenden Zeitraum GKV-Monatsmeldungen abzugeben.

Beitragsberechnung mit Gleitzonenformel

Werden mehrere (ggf. durch Zusammenrechnung) versicherungspflichtige Beschäftigungen ausgeübt, deren Arbeitsentgelte jedoch in der Summe innerhalb der Gleitzone liegen, sind die für die Beitragsberechnung zugrunde zu legenden beitragspflichtigen Einnahmen aus den einzelnen Beschäftigungen wie folgt zu ermitteln:

Gleitzonenformel:
[F * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * F) * (Gesamtarbeitsentgelt - 450)] * Einzelarbeitsentgelt
Gesamtarbeitsentgelt

Die weitere Berechnung erfolgt entsprechend der Gleitzonenregelung für jede Beschäftigung separat.

  • Von der fiktiven Einnahme berechnet man die Gesamtbeiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.
  • Dann bestimmt man die Beitragsanteile des Arbeitgebers und zwar vom realen Arbeitsentgelt und unter Anwendung des halben Beitragssatzes.
  • Von den Gesamt-Beiträgen zieht man die Beitragsanteile des Arbeitgebers ab und ermittelt so die Beitragsanteile des Arbeitnehmers.
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Beitragsberechnung für 2017

Der Faktor F beträgt 0,7509.
Es kann auch mit der vereinfachten Formel gerechnet werden:
(1,2802375 * Gesamtarbeitsentgelt - 238,201875) * Einzelarbeitsentgelt/Gesamtarbeitsentgelt

Beispiel:

Beschäftigung A: monatliches Arbeitsentgelt 400 Euro
Beschäftigung B: monatliches Arbeitsentgelt 200 Euro
Die monatlichen Arbeitsentgelte der beiden geringfügigen Beschäftigungen liegen jeweils unterhalb der Gleitzone. Die Arbeitsentgelte aus diesen Beschäftigungen sind aber zusammenzurechnen. Aufgrund der Zusammenrechnung tritt Versicherungspflicht ein. Da der Betrag von 600 Euro in der Gleitzone liegt, finden die besonderen Regelungen zur Gleitzone Anwendung.

Berechnung für Beschäftigung A
beitragspflichtige Einnahme A = [0,7509 * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * 0,7509) * (600 - 450)] * 400
600
= 353,29 Euro
Berechnung für Beschäftigung B
beitragspflichtige Einnahme B = [0,7509 * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * 0,7509) * (600 - 450)] * 200
600
= 176,65 Euro

Beide Beträge zusammen ergeben einen Betrag von 529,94 Euro. Die allgemeine Gleitzonenformel lautet:
F * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * F) * (Arbeitsentgelt - 450)
Wenn wir zur Probe das Gesamtarbeitsentgelt von 600 Euro einsetzen ergibt sich:
0,7509 * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * 0,7509) * (600 - 450)
Das Ergebnis beträgt 529,94 Euro.

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Beitragsberechnung für 2016

Der Faktor F beträgt 0,7547.
Es kann auch mit der vereinfachten Formel gerechnet werden:
(1,2759625 * Gesamtarbeitsentgelt - 234,568125) * Einzelarbeitsentgelt/Gesamtarbeitsentgelt

Beispiel:

Beschäftigung A: monatliches Arbeitsentgelt 400 Euro
Beschäftigung B: monatliches Arbeitsentgelt 200 Euro
Die monatlichen Arbeitsentgelte der beiden geringfügigen Beschäftigungen liegen jeweils unterhalb der Gleitzone. Die Arbeitsentgelte aus diesen Beschäftigungen sind aber zusammenzurechnen. Aufgrund der Zusammenrechnung tritt Versicherungspflicht ein. Da der Betrag von 600 Euro in der Gleitzone liegt, finden die besonderen Regelungen zur Gleitzone Anwendung.

Berechnung für Beschäftigung A
beitragspflichtige Einnahme A = [0,7547 * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * 0,7547) * (600 - 450)] * 400
600
= 354,01 Euro
Berechnung für Beschäftigung B
beitragspflichtige Einnahme B = [0,7547 * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * 0,7547) * (600 - 450)] * 200
600
= 177,00 Euro

Beide Beträge zusammen ergeben einen Betrag von 531,01 Euro. Die allgemeine Gleitzonenformel lautet:
F * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * F) * (Arbeitsentgelt - 450)
Wenn wir zur Probe das Gesamtarbeitsentgelt von 600 Euro einsetzen ergibt sich:
0,7547 * 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] * 0,7547) * (600 - 450)
Das Ergebnis beträgt 531,01 Euro.

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