Hinzurechnungsbetrag beim Lohnsteuerabzug

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Aktuelles

Der Bundesrat hat in seiner 952. Sitzung am 16. Dezember 2016 beschlossen, dem "Gesetz zur Umsetzung der Änderungen der EU-Amtshilferichtlinie und von weiteren Maßnahmen gegen Gewinnkürzungen und -verlagerungen" zuzustimmen.
Die Anpassungen des Einkommensteuergesetzes und des Bundeskindergeldgesetzes wurden in dieses Gesetzespaket aufgenommen.
Damit steigt in den Jahren 2017 und 2018 der steuerliche Grundfreibetrag, der Kinderfreibetrag, das Kindergeld und der Kinderzuschlag. Durch eine Rechtsverschiebung aller Eckwerte des Einkommensteuertarifs wird die sogenannte "kalte Progression" ausgeglichen (Mehr ...).

Grundsätzliches

Der steuerliche Grundfreibetrag sowie der Arbeitnehmerpauschbetrag werden nur im ersten Arbeitsverhältnis berücksichtigt. Die Steuerklasse VI gilt für ein zweites und jedes weitere Dienstverhältnis, wenn zur Abrechnung die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale benötigt werden (früher die Lohnsteuerkarte). Bei mehreren Arbeitsverhältnissen mit geringem Arbeitslohn werden der Grundfreibetrag sowie der Arbeitnehmerpauschbetrag häufig nicht ausgeschöpft. Der Arbeitslohn des Arbeitnehmers im zweiten Dienstverhältnis unterliegt aber in voller Höhe dem Lohnsteuerabzug.

Beispiele:

  • Arbeitnehmer mit mehreren gering entlohnten Arbeitsverhältnissen
  • Auszubildender mit einer Nebentätigkeit
  • Rentner, der neben einer Betriebsrente noch Arbeitslohn aus einem gering entlohnten Beschäftigungsverhältnis bezieht
  • Rentner mit mehreren Betriebsrenten

In diesen Fällen wird häufig während des Jahres Lohnsteuer einbehalten, die nach Ablauf des Jahres im Wege einer Veranlagung zur Einkommensteuer wieder erstattet werden muss. Die dagegen gerichteten Klagen hatten Erfolg. Seit dem 01.01.2000 gibt es einen Hinzurechnungsbetrag, den der Arbeitgeber dem Arbeitslohn hinzurechnen muss, bevor er die Lohnsteuer aus der Lohnsteuertabelle abliest. Für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge ist ein Hinzurechnungsbetrag ohne Bedeutung.

Hat ein Arbeitnehmer mehrere Arbeitsverhältnisse, so verhindert dieses Verfahren, das bereits beim Lohnsteuerabzug zu hohe Lohnsteuer einbehalten wird, die sich sonst im Einzelfall durch die Steuerklasse VI für die zweite und jede weitere Beschäftigung ergeben würde.

Die gesetzliche Regelung erfolgt in § 39a Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 EStG:

(1) Auf Antrag des unbeschränkt einkommensteuerpflichtigen Arbeitnehmers ermittelt das Finanzamt die Höhe eines vom Arbeitslohn insgesamt abzuziehenden Freibetrags aus der Summe der folgenden Beträge:
  1. ein Betrag für ein zweites oder ein weiteres Dienstverhältnis insgesamt bis zur Höhe des auf volle Euro abgerundeten zu versteuernden Jahresbetrags nach § 39b Absatz 2 Satz 5, bis zu dem nach der Steuerklasse des Arbeitnehmers, die für den Lohnsteuerabzug vom Arbeitslohn aus dem ersten Dienstverhältnis anzuwenden ist, Lohnsteuer nicht zu erheben ist. Voraussetzung ist, dass
    1. der Jahresarbeitslohn aus dem ersten Dienstverhältnis geringer ist als der nach Satz 1 maßgebende Eingangsbetrag und
    2. in Höhe des Betrags für ein zweites oder ein weiteres Dienstverhältnis zugleich für das erste Dienstverhältnis ein Betrag ermittelt wird, der dem Arbeitslohn hinzuzurechnen ist (Hinzurechnungsbetrag).
    Soll für das erste Dienstverhältnis auch ein Freibetrag nach den Nummern 1 bis 6 und 8 ermittelt werden, ist nur der diesen Freibetrag übersteigende Betrag als Hinzurechnungsbetrag zu berücksichtigen. Ist der Freibetrag höher als der Hinzurechnungsbetrag, ist nur der den Hinzurechnungsbetrag übersteigende Freibetrag zu berücksichtigen,

Das Verfahren spielt bei den 450-Euro-Jobs dann eine Rolle, wenn der Arbeitgeber die pauschale Lohnsteuer von 2% sparen will und den Lohnsteuerabzug nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen verlangt.

Der Arbeitnehmer kann sich so einen Freibetrag für sein zweites oder jedes weitere Arbeitsverhältnis eintragen lassen, wenn er sich in gleicher Höhe einen Hinzurechnungsbetrag für sein erstes Arbeitsverhältnis eintragen lässt.

Das Verfahren darf nur angewendet werden, wenn der Arbeitslohn aus dem ersten Arbeitsverhältnis niedriger ist als der Eingangsbetrag der entsprechenden Jahreslohnsteuertabelle (lt. Steuerklasse des ersten Arbeitsverhältnisses).

Vor Einführung der elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) wurde der Hinzurechnungsbetrag durch das Finanzamt auf der ersten Lohnsteuerkarte und die Freibeträge auf den weiteren Lohnsteuerkarten eingetragen, ohne dass der Arbeitnehmer oder der Arbeitgeber des Nebenarbeitsverhältnisses etwas veranlassen musste. Mit der Einführung der Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale gilt:

  1. Der Arbeitnehmer beantragt dazu den Gesamtbetrag des Freibetrages im Sinne des § 39a Absatz 1 Satz 1 Nr. 7 EStG bei seinem Finanzamt und teilt dem Arbeitgeber des weiteren Arbeitsverhältnisses mit, ob und in welcher Höhe ein Freibetrag nach § 39a Absatz 1 Satz 1 Nr. 7 EStG von diesem abgerufen werden soll.
  2. Der Hauptarbeitgeber erhält nur den Betrag als Hinzurechnungsbetrag, der tatsächlich von einem oder mehreren Nebenarbeitgebern abgerufen wurde.

Der Antrag des Arbeitnehmers erfolgt über das Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren.

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Steuerfreie Eingangsbeträge bei Anwendung der allgemeinen Lohnsteuertabelle für 2017

Werte wurden schon wie § 39a Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 EStG verlangt, auf volle Euro abgerundet.

Steuerklasse jährlich steuerfrei monatlich steuerfrei
I 12.082 € 1.006 €
II 14.419 € 1.201 €
III 22.895 € 1.907 €
IV 12.082 € 1.006 €
V 1.278 € 106 €

Die Wahl des Freibetrags ist nicht auf die Differenz zwischen dem Jahresarbeitslohn aus dem ersten Arbeitsverhältnis und den Eingangsbeträgen der Jahreslohnsteuertabelle beschränkt. Übersteigt der Jahresarbeitslohn aus dem ersten Dienstverhältnis den Eingangsbetrag der Jahreslohnsteuertabelle nicht, so kann beliebig zwischen 0 und dem Eingangsbetrag ein Jahresfreibetrag ausgewählt und für das zweite Arbeitsverhältnis eingetragen lassen werden.

Steuerfreie Eingangsbeträge bei Anwendung der besonderen Lohnsteuertabelle für 2017

Werte wurden schon wie § 39a Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 EStG verlangt, auf volle Euro abgerundet.

Steuerklasse jährlich steuerfrei monatlich steuerfrei
I 11.209 € 934 €
II 13.377 € 1.114 €
III 21.240 € 1.770 €
IV 11.209 € 934 €
V 1.186 € 98 €

Die besondere Lohnsteuertabelle gilt für nicht rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer.

Die Wahl des Freibetrags ist nicht auf die Differenz zwischen dem Jahresarbeitslohn aus dem ersten Arbeitsverhältnis und den Eingangsbeträgen der Jahreslohnsteuertabelle beschränkt. Übersteigt der Jahresarbeitslohn aus dem ersten Dienstverhältnis den Eingangsbetrag der Jahreslohnsteuertabelle nicht, so kann beliebig zwischen 0 und dem Eingangsbetrag ein Jahresfreibetrag ausgewählt und für das zweite Arbeitsverhältnis eingetragen lassen werden.

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Grenzen für die Empfänger von Versorgungsbezügen (Betriebsrenten) für 2017

Steuerklasse jährlich steuerfrei monatlich steuerfrei
I 14.429 € 1.202 €
II 16.505 € 1.375 €
III 24.270 € 2.022 €
IV 14.429 € 1.202 €
V 2.179 € 181 €

Die Wahl des Freibetrags ist nicht auf die Differenz zwischen dem Jahresarbeitslohn aus dem ersten Arbeitsverhältnis und den Eingangsbeträgen der Jahreslohnsteuertabelle beschränkt. Übersteigt der Jahresarbeitslohn aus dem ersten Dienstverhältnis den Eingangsbetrag der Jahreslohnsteuertabelle nicht, so kann beliebig zwischen 0 und dem Eingangsbetrag ein Jahresfreibetrag ausgewählt und für das zweite Arbeitsverhältnis eingetragen lassen werden.

Beispiel für einen Arbeitnehmer mit zwei Arbeitsverhältnissen über 450 Euro im Jahr 2017

Ein Arbeitnehmer mit der Lohnsteuerklasse III arbeitet beim Arbeitgeber A für 1.000 Euro monatlich. In seinem zweiten Arbeitsverhältnis beim Arbeitgeber B gilt die Lohnsteuerklasse VI. Sein Verdienst beim Arbeitgeber B beträgt 900 Euro.

Sein Jahresarbeitslohn aus dem ersten Dienstverhältnis übersteigt nicht den für die Steuerklasse III maßgebenden steuerfreien Eingangsbetrag von 22.895 Euro (Anwendung der Allgemeinen Lohnsteuertabelle für 2017). Bei einem Verdienst von 1.000 Euro monatlich, beträgt sein Jahresarbeitslohn nur 12.000 Euro. Er kann sich für sein zweites Arbeitsverhältnis einen Freibetrag bis 22.895 Euro (Wert für 2017) eintragen lassen. Es gibt keine Beschränkung auf die noch nicht ausgeschöpfte Differenz (hier 10.895 Euro).

Sinnvoll ist hier die Eintragung eines monatlichen Freibetrags von 900 Euro für das zweite Arbeitsverhältnis (Jahresfreibetrag von 10.800 Euro).

Zuständig für die Eintragung eines Freibetrags für das zweite Arbeitsverhältnis und des entsprechenden Hinzurechnungsbetrags für das erste Arbeitsverhältnis ist das Wohnsitzfinanzamt des Arbeitnehmers (Antragsvordruck für das Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren).

Für unser Beispiel ergibt sich damit:

Arbeitsverhältniss Arbeitgeber A Arbeitgeber B
Steuerklasse III VI
Bruttomonatslohn 1.000 Euro 900 Euro
Monatsfreibetrag - 900 Euro
Hinzurechnungsbetrag 900 Euro -
Berechnungsbetrag für die Lohnsteuer 1.900 Euro 0 Euro
Sozialversicherungs­pflichtiges Arbeitsentgelt 1.000 Euro 900 Euro

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Für die Berechnung der Lohnsteuer müssen verschiedene Annahmen getroffen werden (wegen dem Gesetz zur verbesserten steuerlichen Berücksichtigung von Vorsorgeaufwendungen haben die gezahlten SV-Beiträge Einfluss auf die Höhe der Lohnsteuer):

  • Die Betriebsstätte für unser Beispiel liegt in den alten Bundesländern.
  • Der Arbeitnehmer hat die Elterneigenschaft (damit kein Zuschlag in der Pflegeversicherung).
  • Der Arbeitnehmer ist pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung. Der krankenkassenindividuelle Zusatzbeitragssatz beträgt 1,0%.

Bei dieser Variante zahlt der Arbeitnehmer beim Arbeitgeber A eine Lohnsteuer von 23,83 Euro.

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Beim Arbeitgeber B wäre keine Lohnsteuer fällig.

 
Wenn der Arbeitnehmer sich keinen Freibetrag und damit auch keinen Hinzurechnungsbetrag eintragen lassen würde, hätte er beim Arbeitgeber A zwar keine Lohnsteuer zu zahlen. Beim Arbeitgeber B wären aber 102,83 Euro Lohnsteuer und 4,36 Euro Solidaritätszuschlag fällig. Die Gesamtbelastung pro Monat ist also deutlich höher.

Es wird also steuerlich aus zwei Arbeitsverhältnissen eins gemacht. Die Versteuerung erfolgt nach der persönlichen Lohnsteuerklasse. Da die Lohnsteuer, der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer nur vom Arbeitnehmer getragen werden, ist das für den Arbeitgeber ohne Bedeutung. Auf die Sozialversicherung hat das Verfahren keine Auswirkungen.

Wenn für das erste Arbeitsverhältnis bereits ein Freibetrag eingetragen ist (oder werden soll), wird dieser mit dem Hinzurechnungsbetrag saldiert. Einen Eintrag von zwei Zahlen gibt es nicht (§ 39a Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 EStG).

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