Vorgeschriebenes Vor- bzw. Nachpraktikum

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Vorgeschriebene Praktika liegen nur dann vor, wenn sie in einer Ausbildungs-, Studien- oder Prüfungsordnung normiert sind. Aufgrund der Verpflichtung im Rahmen der Gesamtausbildung ein Praktikum zu absolvieren, wird dieses im Rahmen betrieblicher Berufsbildung ausgeübt. Die Verpflichtung zur Ableistung des Praktikums ist nachzuweisen.

Kranken- und Pflegeversicherung

Ohne Entgeltzahlung

Wenn die vorgeschriebene berufspraktische Tätigkeit ohne Arbeitsentgelt ausgeübt wird, unterliegen die Praktikanten der Versicherungspflicht in der Kranken- und Pflegeversicherung nach § 5 Abs. 1 Nr. 10 SGB V bzw. § 20 Abs. 1 Satz 2 Nr. 10 in Verb. mit Satz 1 SGB XI.
Der Praktikant ist über ein Elternteil familienversichert oder zahlt seine Beiträge selbst. Der Arbeitgeber zahlt keine Beiträge.
Nach § 8 Abs. 1 Nr. 5 SGB V besteht die Möglichkeit der Befreiung von der Versicherungspflicht nach § 5 Abs. 1 Nr. 10 SGB V. Die Befreiung von der Krankenversicherungspflicht wirkt sich auch auf die Versicherungspflicht in der Pflegeversicherung aus.

Mit Entgeltzahlung

Wird während des vorgeschriebenen Praktikums Arbeitsentgelt erzielt, besteht Versicherungspflicht in der Krankenversicherung nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 SGB V und in der Pflegeversicherung nach § 20 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 in Verb. mit Satz 1 SGB XI als zur Berufsausbildung Beschäftigte. Damit ist keine Versicherungsfreiheit wegen einer geringfügig entlohnten Beschäftigung möglich. Es erfolgt auch keine Anwendung der Gleitzonenregelung. Es ist aber die Geringverdienergrenze ist zu beachten. Danach trägt der Arbeitgeber bis zu einem Entgelt von 325 Euro pro Monat die gesamten SV-Beiträge allein (AN- und AG-Anteile).

Renten- und Arbeitslosenversicherung

Ohne Entgeltzahlung

Wenn kein Entgelt gezahlt wird, erfolgt die Beitragsberechnung aus einem fiktiven Entgelt. Diese Beiträge trägt der Arbeitgeber allein.

Mit Entgeltzahlung

Es besteht Versicherungspflicht als zur Berufsausbildung Beschäftigter nach § 1 Satz 1 Nr. 1 SGB VI in der Rentenversicherung und nach § 25 Abs. 1 SGB III in der Arbeitslosenversicherung. Damit ist keine Versicherungsfreiheit wegen einer geringfügig entlohnten Beschäftigung möglich. Es erfolgt auch keine Anwendung der Gleitzonenregelung. Es ist aber die Geringverdienergrenze zu beachten. Danach trägt der Arbeitgeber bis zu einem Entgelt von 325 Euro pro Monat die gesamten SV-Beiträge allein (AN- und AG-Anteile).

Umlagen

Die Umlagebemessung erfolgt nach dem Arbeitsentgelt; wird kein Arbeitsentgelt gezahlt, sind keine Umlagen zu erheben. Das gilt für die Umlage U1 (Lohnfortzahlung bei Krankheit; nur bei Beschäftigung von bis zu 30 Arbeitnehmern), die Umlage U2 (Ausgleich der Aufwendungen nach dem Mutterschutzgesetz) und die Insolvenzgeldumlage.

Meldungen

Differenzierung nach dem Arbeitsentgelt ab 2012:

  • Studenten in einem vorgeschriebenen Vor- oder Nachpraktikum ohne Arbeitsentgelt sind weiterhin mit dem Personengruppenschlüssel 105 zu melden, da diese als zur Berufsausbildung Beschäftigte renten- und arbeitslosenversicherungspflichtig sind.
  • Studenten in einem vorgeschriebenen Vor- oder Nachpraktikum, deren Arbeitsentgelt die Geringverdienergrenze von 325 Euro nach § 20 Absatz 3 Satz 1 Nummer 1 SGB IV nicht übersteigt, sind für Meldezeiträume ab dem 01.01.2012 mit dem Personengruppenschlüssel 121 zu melden.
  • Studenten in einem vorgeschriebenen Vor- oder Nachpraktikum mit mehr als 325 Euro sind weiterhin mit dem Personengruppenschlüssel 105 zu melden.

Gesetzlicher Mindestlohn ab 01.01.2015 - Kein Anspruch

Für ein vorgeschriebenes Praktikum gilt der gesetzliche Mindestlohn ab 2015 nicht.

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