Statistik

Grundsätzliches

Grundsätzlich können Arbeitgeber und Bewerber (Arbeitnehmer) die Höhe der Entlohnung frei aushandeln. Im Geltungsbereich eines Tarifvertrages verhält es sich aber anders.

Ab dem 01.01.2015 gibt es einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro brutto pro Zeitstunde für das ganze Bundesgebiet (Mindestlohngesetz-MiLoG).

Tarifverträge gelten für ein Arbeitsverhältnis, wenn:

  • Beide Parteien tarifgebunden sind. Der Arbeitgeber also im Arbeitgeberverband ist und der Arbeitnehmer Gewerkschaftsmitglied ist. In der Regel behandeln tarifgebundene Arbeitgeber jedoch alle Arbeitnehmer des Betriebes gleich.
  • Die Geltung vertraglich vereinbart wurde (individuelle Vereinbarung oder Betriebsvereinbarung).
  • Der Tarifvertrag vom Bundesminister für Arbeit und Soziales für allgemeinverbindlich erklärt wurde.
    Verzeichnis der für allgemeinverbindlich erklärten Tarifverträge

Zum derzeit heftig dikutierten Problem der Tarifeinheit (Ein Betrieb - ein Tarifvertrag), finden Sie Informationen auf der Seite Arbeitsrecht.

Verdienste und Arbeitskosten

Nach endgültigen Ergebnissen der Vierteljährlichen Verdiensterhebung ist der Reallohnindex in Deutschland im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 % gestiegen (Pressemitteilung Nr. 110 des Statistischen Bundesamts vom 24.03.2016).
Dies ist der höchste Anstieg des Reallohnindex seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, war der reale Zuwachs neben der moderaten Entwicklung der Verbraucherpreise (+ 0,3 %) auf die - verglichen mit den letzten fünf Jahren - leicht überdurchschnittlichen nominalen Verdienststeigerungen (+ 2,7 %) zurückzuführen.
Reallöhne sind preisbereinigte Bruttomonatsverdienste vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer. 2014 waren sie um 1,7% gestiegen. 2013 waren sie um 0,1% gesunken. 2012 waren sie um 0,5%, 2011 um 1,2% und 2010 um 1,5% gestiegen. Im Jahr 2009 waren sie um 0,2% gesunken. Der Wochenbericht 45/2011 des DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) spricht sogar für die Jahre 2000-2010 von einem Jahrzehnt ohne Zuwachs (Entwicklung der Reallöhne).
Auszug aus dem Wochenbericht 45/2011 des DIW Berlin:

In der letzten Dekade haben die Bruttostundenlöhne lediglich stagniert. Betroffen waren nicht nur einzelne Gruppen von Arbeitnehmern, vielmehr war die Lohnentwicklung übergreifend schwach. Das gilt sowohl hinsichtlich der Entgelte für Männer als auch der für Frauen, für Vollzeit- wie für Teilzeitbeschäftigte, und sowohl für einfache Arbeit als auch für Tätigkeiten, für deren Ausübung ein Studium erforderlich ist. Auch die Verschiebung der Tätigkeitsstruktur hin zu immer mehr anspruchsvollen Aufgaben hat der Lohnentwicklung keinen Schub gegeben.
....
Über den gesamten Zeitraum gesehen haben die um die Teuerung bereinigten Stundenlöhne lediglich in etwa stagniert. Die Bruttolöhne sanken etwas, die Nettolöhne stiegen marginal.

Der Bericht kommt am Ende zu folgendem Fazit:

Die insgesamt schwache Realeinkommensentwicklung bei den abhängig Beschäftigten hat auch gesamtwirtschaftlich negative Effekte. So hat der private Konsum im vergangenen Jahrzehnt unter dieser schwachen Realeinkommensentwicklung gelitten, wenngleich insgesamt das reale Volkseinkommen deutlich gestiegen ist. Die Wohlfahrtsgewinne schlugen sich im vergangenen Jahrzehnt vorrangig bei den Einkommen aus Kapitalerträgen und aus Selbständigkeit nieder. Künftige Lohnverhandlungen sollten daher den Verteilungsspielraum ausschöpfen, der sich aus Produktivitätsfortschritten ergibt.

Das Durchschnittseinkommen

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Durchschnittswerte für das Einkommen der Bundesbürger. Danach betrug der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich in Deutschland 3.449 Euro für 2013 (ohne Sonderzahlungen).

Wenn man die Zahlen für das durchschnittliche Einkommen oder das durchschnittliche Vermögen nimmt werden viele Leser fragen, ob diese Daten für ihr Land erhoben wurden. Das fragen sich ja schon viele Arbeiter und Angestellte aus den neuen Bundesländern, wenn sie die Bruttomonatsverdienste lesen.

Wenn sie sich angesichts dieser Zahlen unterdurchschnittlich fühlen, gehören sie zur Mehrheit. Warum taugt der Durchschnitt (das arithmetische Mittel) bei Verdiensten und Einkommen in Deutschland nicht mehr als aussagekräftige Größe. Die Durchschnittsgröße und das Durchschnittsgewicht zeigen aber den wirklichen durchschnittlichen Deutschen. Wieso???

Die Ursachen liegen in einer immer weiter auseinandergehenden Einkommensverteilung und Verdienstentwicklung.

Ein kleines Beispiel:
Die Chefetage einer kleinen Bank soll 10 Leute beschäftigen.

  • Eine großzügig entlohnte Sekretärin mit 5.000 Euro Monatsbrutto
  • 5 einfache Angestellte mit 6.000 Euro Monatsbrutto
  • 3 hochqualifizierte Finanzkrisenentwickler mit 10.000 Euro Monatsbrutto
  • Der Bankvorstand (Zusatzqualifikation "Milliarden in Steueroasen verzocken") mit 200.000 Euro pro Monat.

Wir kommen auf 265.000 Euro Monatsverdienst der Chefetage. Diese Zahl durch die 10 Sitzakrobaten ergibt 26.500 Euro Durchschnittsverdienst pro Monat. Beim Anblick dieser Zahl wird sich selbst einer der hochqualifizierten Finanzkrisenentwickler fragen, ob er in der gleichen Chefetage beschäftigt ist. Nur der Bankdirektor wird einen guten Cognac trinken und der armen Würstchen in seiner Bank gedenken.

Der Durchschnitt ist nur dann ein guter Indikator für den mittleren Wert, wenn die Daten gleichmäßig verteilt sind.

Der Median (Zentralwert einer Datenreihe) liefert hier bessere Aussagen. Der Median ist derjenige Wert, der in der Mitte steht, wenn alle Werte der Größe nach geordnet sind. Er bezeichnet also eine Grenze zwischen zwei Hälften. In der Statistik halbiert der Median eine Verteilung. Gegenüber dem arithmetischen Mittel (Durchschnitt), hat der Median den Vorteil, robuster gegenüber Ausreißern (extrem abweichenden Werten) zu sein.

In unserem Beispiel fällt die Mitte zwischen Mitarbeiter Nummer 5 und Nummer 6. Bei nach der Größe geordneten Verdiensten sind das beides einfache Angestellte mit jeweils 6.000 Euro Monatsbrutto. Damit beträgt der Median auch 6.000 Euro Monatsbrutto. Er ist damit deutlich niedriger als der Durchschnitt, beschreibt aber die Wirklichkeit der Bankangestellten besser. 9 von 10 Mitarbeitern finden sich in dieser Zahl wieder.

Durchschnitt und Median

Nun ist dieses Beispiel zwar etwas krass aber es beschreibt wunderbar die Entwicklung die Deutschland nimmt.
Und: Vorsicht vor Statistiken! Für jedes gewollte Ergebnis (Erscheinungsbild) gibt es die passende Berechnung!

Auszug aus der Pressemitteilung Nr. 221 vom 04.07.2013 des Statistischen Bundesamtes:

Zwischen 2007 und 2012 hat das Lohngefälle zwischen den einzelnen Arbeitnehmergruppen zugenommen. Für Arbeitnehmer in leitender Stellung (+ 15,5 %) und für herausgehobene Fachkräfte (+ 12,8 %) lagen die Steigerungen der nominalen Bruttomonatsverdienste über dem Durchschnittswert aller Arbeitnehmer (+ 12,2 %). Fachkräfte (+ 10,9 %), angelernte Arbeitnehmer (+ 10,0 %) und ungelernte Arbeitnehmer (+ 9,8 %) konnten zwar auch die Steigerung der Verbraucherpreise kompensieren (+ 8,3 %), hatten aber nur unterdurchschnittlich hohe Wachstumsraten.

Schon der Wochenbericht 45/2011 des DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) bestätigt die Ungleichverteilung. Auszug:

Bei den Durchschnittslöhnen wird die gesamte Lohnsumme durch die Zahl aller geleisteten Arbeitsstunden dividiert. Die mittleren Löhne sind der Wert, der die Arbeitnehmer in zwei gleichgroße Gruppen teilt - die eine Hälfte bekommt weniger, die andere mehr als den mittleren Lohn. Das Niveau des Durchschnittslohns ist höher als das des mittleren Lohns, weil unter den Beziehern besserer Entgelte die Lohnunterschiede eher größer sind als unter den Arbeitnehmern mit niedrigen Löhnen.

Auszug aus der Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 25.07.2013:

In Deutschland verdiente im Jahr 2010 knapp ein Viertel aller Beschäftigten weniger als 9,54 Euro brutto pro Stunde. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Damit ist der Anteil der Geringverdiener hierzulande größer als in anderen westlichen EU-Ländern. Wenn man ausschließlich Vollzeitbeschäftigte berücksichtigt, ist der Anteil in Deutschland mit rund einem Fünftel etwas niedriger, aber im Vergleich immer noch relativ hoch.
Wie in international vergleichenden Analysen üblich wurde in der IAB-Studie die Niedriglohnschwelle bei zwei Drittel des nationalen Medianlohns angesetzt. Der Medianlohn ist der mittlere Lohn: Die eine Hälfte aller Beschäftigten verdient mehr, die andere Hälfte weniger als den Medianlohn. Dieser Definition folgend lag die deutsche Niedriglohnschwelle im Jahr 2010 bei einem Stundenlohn von 9,54 Euro brutto.

Weitere Informationen

Informationen zu Verdiensten und Arbeitskosten finden sie im Statistikportal des Bundes und der Länder.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut (WSI) hat viele Informationen zu Tarifverträgen, darunter das WSI-Tarifarchiv.

Statistische Berechnungen zur Einkommensverteilung


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