Krankenkasse wechseln - was ist dabei zu beachten?

Durch die Erhöhung der Zusatzbeiträge ändert sich das Nettogehalt vieler Beschäftigter. Ein Wechsel kann in Einzelfällen durchaus lohnend sein.

Zum Jahresbeginn erhöhten sehr viele Krankenkassen die monatlichen Zusatzbeiträge für ihre Mitglieder, wie in diesem Bericht erläutert wird. Da sich die Beitragserhöhung ausschließlich auf den Arbeitnehmeranteil erstreckt, fragen sich nun viele Versicherte, ob nicht ein Wechsel in eine andere Krankenkasse mit niedrigeren Beiträgen sinnvoll ist. In diesem Artikel soll deshalb aufgezeigt werden, wie ein solcher Wechsel funktioniert und was dabei genau zu beachten ist. Auf Firmen und deren Buchhaltung dürften hingegen zahlreiche Hinweise über Kassenwechsel zukommen.

Wie lange sind Versicherte an eine Krankenkasse gebunden?

Die gesetzliche Krankenversicherung kann nicht willkürlich gewechselt werden. Allgemein gilt eine Mitgliedsfrist von 18 Monaten. Erst nach Ablauf dieses Zeitraums ist ein Wechsel möglich. Sollte sich jedoch während dieser Versicherungszeit ein Grund ergeben, der beim Eintritt in die Krankenkasse noch nicht ersichtlich war, ist auch ein vorzeitiger Wechsel nicht ausgeschlossen.

Mit der Anhebung der individuellen Zusatzbeiträge, die aktuell zur Erhöhung der Kosten führen, kommt ein solcher Grund beispielsweise zustande und erlaubt laut Verbraucherzentrale die Nutzung des Sonderkündigungsrechts. Grundsätzlich gilt diese Regel immer, wenn sich die Kosten für die Krankenkasse erhöhen. Die Frist zur Kündigung beginnt in diesem Fall stets mit der Mitteilung, dass sich der Beitrag erhöht. Informieren die Krankenkassen ihre Kunden nicht persönlich, gilt der Vormonat vor der ersten Fälligkeit des erhöhten Beitrags als Fristbeginn. Die Frist läuft für zwei Monate. Da die Krankenkassen die Beiträge zum 01.01. anhoben, läuft das Sonderkündigungsrecht daher Ende Januar aus. Einen Unterschied hinsichtlich der Kündigung gibt es für langjährig Versicherte. Diese brauchen nicht auf die Sonderkündigung beharren, sondern dürfen die Krankenkasse stets unter der im Vertrag angegebenen Kündigungsfrist zum übernächsten Monat verlassen.

Zusammengefasst bedeutet das:

  • Normale Bindung an die Krankenkasse: mindestens 18 Monate
  • Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhung: möglich
  • Frist der Sonderkündigung: zwei Monate

Hinweis: Allerdings entbindet eine Sonderkündigung die Versicherten nicht davon, bis zum Wechsel den erhöhten Beitrag zu bezahlen. Die Krankenkasse wird zwar nun innerhalb der Frist zum 31.01. gekündigt, der Versicherte ist jedoch bis Ende März an seine Krankenkasse gebunden. Erst ab April ist er offiziell bei der neuen Versicherung versichert. Laut krankenkassen.net gilt ein Sonderkündigungsrecht zudem auch nicht ohne weiteres für einen Wahltarif.

Wie läuft der Wechsel ab?

Wie können Verbraucher überhaupt vorgehen, wenn sie die Krankenkasse wechseln möchten? Da es sich bei der Krankenversicherung um eine Pflichtversicherung handelt, sollte der Wechsel natürlich korrekt vonstattengehen. Immerhin zieht die Krankenkasse nicht nur die Krankenversicherungsbeträge, sondern auch die Beiträge für die Renten- und Pflegeversicherung ein. Im Folgenden wird das Prozedere des Krankenkassenwechsels genauer dargestellt:

1. Schritt - neue Krankenkasse suchen

Um die Krankenkasse zu wechseln, benötigen Versicherte einen neuen Anbieter. Hierbei gilt, dass nicht allein der Preis ausschlaggebend für die Beitrittsanfrage sein sollte. Die Krankenkasse muss auch zum Versicherten passen. Es hilft, Freunde oder Familienangehörige nach eigenen Erfahrungen zu fragen oder eigenständig die Leistungen der jeweiligen Kassen einzusehen. Wichtig ist, welche Erfahrungen andere Personen bezüglich Behandlungen gemacht haben. Stellte sich eine Krankenkasse oftmals quer und verweigerte eine spezielle Behandlung? Sollten bereits Vorerkrankungen vorliegen, ist es sinnvoll, sich speziell in Hinsicht dieser Anforderungen mit neuen Kandidaten zu beschäftigen.

2. Schritt - die Beitrittsanfrage

Es ist empfehlenswert, zuerst eine Beitrittsanfrage zu stellen, bevor die alte Versicherung aufgelöst wird. Die Anfrage kann direkt bei der gewählten Krankenversicherung gestellt werden und erfolgt schriftlich. Notwendig für das Formular sind Angaben zur letzten Krankenversicherung sowie des gewünschten Beitrittstermins.

Grundsätzlich sind die Krankenkassen dazu verpflichtet, neue Mitglieder aufzunehmen. Eine Ablehnung ist daher nicht zu befürchten.

3. Schritt - die Krankenversicherung kündigen

Unter Berufung auf das Sonderkündigungsrecht oder grundlos nach Ablauf der 18 Monate können Versicherte nun die alte Krankenkasse kündigen. In der außerordentlichen Kündigung muss als Grund beispielsweise die Beitragserhöhung angegeben werden. Eine gewöhnliche Kündigung kann hingegen vollständig grundlos erfolgen. Wichtig ist, die Kündigungsfrist zu beachten. Sie beträgt immer zwei Monate zum jeweiligen Monatsende. Zwar sind die Krankenkassen angehalten, die Kündigung zu bestätigen, es schadet jedoch nicht, selbstständig eine Frist von 14 Tagen zu setzen, in deren Zeitraum die Kündigungsbestätigung zu erfolgen hat.

In die Kündigung sollten unbedingt die Versicherungsnummer und Angaben zur versicherten Person aufgenommen werden.

Information: Sollte die Kündigung nicht rechtzeitig bei der Krankenkasse eingehen oder der Beitritt in eine andere Versicherung nicht funktionieren, brauchen sich Versicherte nicht zu sorgen. Durch das Pflichtversicherungsgesetz bleiben Krankenversicherte notfalls in ihrer bisherigen Krankenkasse und wechseln schließlich zu einem späteren Termin. Eine Nichtversicherung ist ausgeschlossen.

Was muss beim Wechsel beachtet werden?

Der Wechsel der Krankenkasse kann sich mitunter auch im Hinblick auf die Leistungen lohnen - die sind nämlich keineswegs überall gleich.

Abweichend von den persönlichen Vorstellungen, welche Inhalte die neue Krankenversicherung aufweisen sollte, müssen Versicherte natürlich noch weitere Überlegungen anstellen. Hier ist es besonders wichtig, den Arbeitgeber über die veränderte Krankenkasse zu unterrichten. Da er seinen Teil der Abgaben an die Versicherung überweist, sind Versicherte zur Mitteilung verpflichtet. Oftmals genügt es bereits, dem Arbeitgeber die neue Mitgliedsbescheinigung vorzulegen. Alternativ ist eine Kopie der Krankenversicherungskarte ausreichend. Allerdings muss ebenso der Zeitpunkt des Wechsels mitgeteilt werden. Hier genügt der kurze Vermerk, dass sich die Versicherung beispielsweise ab dem 01. April ändert. Die Buchhaltung muss die Änderung übernehmen und die gesamten Sozialbeiträge künftig an die neue Krankenkasse überweisen.

Der Wechsel der Krankenversicherung ist einfach

Generell gehört der Wechsel der Krankenversicherungen zu den einfachsten Wechseln des Versicherungsgeschäftes. Der Gesetzgeber sorgt durch das Pflichtversicherungsgesetz dafür, dass Verbraucher aufgenommen werden müssen, wenn es auch geschehen kann, dass nicht der gewünschte Tarif eingehalten wird. Dieser Fall trifft jedoch überwiegend freiwillig gesetzlich versicherte Personen, die über den Krankenkassentarif hinaus eine Zusatzversicherung abschließen, die das Krankengeld regelt.

Obwohl der Wechsel einfach ist, sollten Versicherte genau überlegen, ob sich ein Wechsel lohnt. Heben fast alle Krankenkassen die Zusatzbeiträge an, ist ein Wechsel nur ratsam, wenn andere Kassen einen wesentlich geringeren Prozentsatz berechnen. Sollte sich der Unterschied nur im geringen Rahmen bewegen, ist der Wechsel nicht empfohlen - es sei denn, Mitglieder sind ohnehin mit der Leistung der Kasse unzufrieden. Zusätzlich empfehlenswert ist, die neue Krankenkasse bereits im Vorfeld zu fragen, ob eine Angleichung des Zusatzbetrages geplant ist. Diese Vorgehensweise erspart Mitgliedern das ständige Wechseln und die Buchhaltung der Arbeitgeber spart sich viel unnötige Arbeit.

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