Freibeträge beim Lohnsteuerabzug

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Aktuelles

Der Bundesrat hat in seiner 952. Sitzung am 16. Dezember 2016 beschlossen, dass in den Jahren 2017 und 2018 der steuerliche Grundfreibetrag, der Kinderfreibetrag, das Kindergeld und der Kinderzuschlag steigen sowie die sogenannte "kalte Progression" ausgeglichen wird (Mehr ...).


Der Bundesrat hat am 10. Juli 2015 dem Gesetz zur Anhebung des Grundfreibetrags, des Kinderfreibetrags, des Kindergeldes und des Kinderzuschlags zugestimmt. Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (Steuerklasse II) steigt um 600 € (von 1308 € auf 1908 € jährlich; rückwirkend ab 01.01.2015).
Der Entlastungsbetrag wird zusätzlich nach der Kinderzahl gestaffelt. Für das zweite und jedes weitere Kind soll ein zusätzlicher Betrag von 240 € jährlich gewährt werden. Bei zwei Kindern würde der Entlastungsbetrag damit 2148 € und bei drei Kindern 2388 € betragen.

Grundsätzliches

Folgende Freibeträge sind beim Lohnsteuerabzug von Bedeutung:

  • In die Lohnsteuertabellen bereits eingearbeitete Freibeträge:
    • Grundfreibetrag
      Der Anspruch auf einen steuerfreien Grundfreibetrag ist in § 32a Abs. 1 EStG geregelt. Er wurde rückwirkend ab 01.01.2015 von 8.354 Euro auf 8.472 Euro angehoben. Für 2016 beträgt der Grundfreibetrag 8.652 Euro. Für 2017 sind es 8.820 Euro und ab 2018 steigt der Grundfreibetrag auf 9.000 Euro.
      Er ist nur in die Steuerklassen I bis IV eingearbeitet. Die Lohnsteuerklasse III enthält den doppelten Grundfreibetrag (steuerfreies Existenzminimum). Der andere Ehepartner, der in die Lohnsteuerklasse V eingruppiert ist, bekommt keinen Grundfreibetrag. Die Steuerklasse VI gilt nur für ein zweites und jedes weitere Dienstverhältnis, wenn zur Abrechnung die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) benötigt werden. Den steuerfreien Grundfreibetrag erhält der Arbeitnehmer über sein erstes Arbeitsverhältnis mit seiner persönlichen Lohnsteuerklasse oder der Ehepartner im Falle der Lohnsteuerklasse V.
    • Arbeitnehmerpauschbetrag (Werbungskosten-Pauschbetrag)
      Jedem Arbeitnehmer wird ein Werbungskosten-Pauschbetrag gewährt (§ 9a EStG). Dieser ist schon in den Lohnsteuertarif eingearbeitet (Steuerklassen I bis V). Der Werbungskosten-Pauschbetrag wurde im Jahr 2011 von 920 auf 1.000 Euro angehoben.
      Mit der Neufassung der Verordnung über den Lohnsteuer-Jahresausgleich vom 31.01.1966 (Bundesgesetzblatt Teil I - 1966 - Nr. 8 vom 18.02.1966) wurde der Arbeitnehmer-Freibetrag in Höhe von 240 Deutsche Mark eingeführt. Die erstmalige Anwendung erfolgte mit dem Lohnsteuer-Jahresausgleich für das Jahr 1965.
    • Sonderausgabenpauschbetrag
      Die Regelung erfolgt im § 10c EStG. Er beträgt 36 Euro und ist nur in die Steuerklassen I bis V eingearbeitet. Der Sonderausgabenpauschbetrag wird erst ab 2010 auch bei der Steuerklasse 5 gewährt. Bei der Steuerklasse 3 erfolgt die Gewährung damit ab 2010 nur noch einfach (2009: 72 Euro).
    • Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
      Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende ist ein Steuerfreibetrag, der seit dem 01.01.2004 Alleinerziehenden Steuerpflichtigen unter bestimmten Voraussetzungen zusteht. Bis zum 31.12.2003 gab es den sog. Haushaltsfreibetrag.
      Die Regelung zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende erfolgt im § 24b EStG. Allein stehende Steuerpflichtige können einen Entlastungsbetrag von der Summe der Einkünfte abziehen, wenn zu ihrem Haushalt mindestens ein Kind gehört, für das ihnen ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld zusteht. Die Höhe dieses Freibetrages blieb 10 Jahre lang unverändert bei 1.308 Euro.
      Ab 1. Januar 2015 erfolgte eine Anhebung um 600 Euro auf 1.908 Euro sowie um 240 Euro für jedes weitere Kind.
      Beim Lohnsteuerabzug wird in der Steuerklasse II immer der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende für ein Kind (1.908 €) berücksichtigt, auch wenn beim Arbeitnehmer mehrere berücksichtigungsfähige Kinder vorhanden sind. Ein Arbeitnehmer, dem für weitere in seinem Haushalt lebende Kinder ein Erhöhungsbetrag beim Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zusteht, kann bei seinem zuständigen Wohnsitzfinanzamt die Bildung eines Freibetrags beantragen.
      Das Finanzamt bildet dann den Freibetrag als ELStAM (Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale) in Höhe von jeweils 240 € für das zweite und jedes weitere zu berücksichtigende Kind. Auf Antrag des Arbeitnehmers gilt dieser Freibetrag dann längstens für einen Zeitraum von zwei Jahren und muss danach wieder beim örtlich zuständigen Wohnsitzfinanzamt neu beantragt werden.
      Bei zwei Kindern würde der Entlastungsbetrag damit 2.148 € und bei drei Kindern 2.388 € betragen.
      Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 5. Februar 2015 (III R 9/13) entschieden, dass die Meldung eines Kindes in der Wohnung eines Alleinerziehenden eine unwiderlegbare Vermutung für die Haushaltszugehörigkeit des Kindes begründet und bei Vorliegen der weiteren Voraussetzungen ein Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zu gewähren ist. Nach der Entscheidung des Bundesfinanzhof vermutet § 24b Abs. 1 Satz 2 EStG unwiderlegbar, dass ein Kind, das in der Wohnung des alleinstehenden Steuerpflichtigen gemeldet ist, zu dessen Haushalt gehört. Damit kann der Alleinerziehende bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen den steuerlichen Entlastungsbetrag auch dann beanspruchen, wenn das Kind tatsächlich in einer eigenen Wohnung lebt (Quelle: Pressemitteilung Nr. 47/15 vom 1.7.2015 des Bundesfinanzhof).
    • Vorsorgepauschale
      Die Vorsorgepauschale wird ab 2010 auch bei den Steuerklassen 5 und 6 gewährt. Bemessungsgrundlage für die Vorsorgepauschale ist der Arbeitslohn. Die Vorsorgepauschale setzt sich aus Teilbeträgen für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zusammen.
  • Altersentlastungsbetrag
    Der Arbeitgeber muss selbst prüfen, ob die Vorraussetzungen erfüllt sind. Es erfolgt keine Eintragung vom Finanzamt. Arbeitnehmer, die vor Beginn des Kalenderjahres das 64. Lebensjahr vollendet haben, erhalten einen Altersentlastungsbetrag.
  • Versorgungsfreibetrag und der Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag
    Versorgungsbezüge werden in voller Höhe der Lohnbesteuerung unterworfen. Als Ausgleich wird der Versorgungsfreibetrag gewährt. Ab 2005 ist der Arbeitnehmer-Pauschbetrag bei Versorgungsbezügen nicht mehr anzuwenden. Der Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag wird als Ausgleich für den Wegfall des Arbeitnehmer-Pauschbetrags gewährt.
    Versorgungsbezüge gehören zu den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit. Es handelt sich insbesondere um Beamtenpensionen und Betriebsrenten.
    Versorgungsfreibetrag und Zuschlag werden stufenweise abgebaut.
  • Ein im Lohnsteuerabzugsverfahren zu berücksichtigender Freibetrag.
    Diese werden auf Antrag vom Finanzamt eingetragen. Als Freibetrag können Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen sowie weitere Aufwendungen berücksichtigt werden. Werbungskosten sind die Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung des Arbeitslohns (alle Aufwendungen, die durch den Beruf veranlasst sind). Ein häufiges Beispiel ist die Eintragung der Entfernungspauschale für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.

Bei der Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge sind die Freibeträge nicht vom Arbeitslohn abzuziehen.

Kindergeld und Kinderfreibeträge

Seit 1996 wirken sich die Kinderfreibeträge nicht mehr auf die Höhe der Lohnsteuer aus. Bei der Ermittlung der Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlag werden die Kinderfreibeträge jedoch weiterhin berücksichtigt.

Das Kindergeld wird zur Steuerfreistellung des elterlichen Einkommens in Höhe des Existenzminimums eines Kindes gezahlt. Die Eltern erhalten unabhängig vom Einkommen Kindergeld. Es wird im laufenden Jahr zunächst als Steuervergütung gezahlt. Die steuerlichen Freibeträge für Kinder werden beim Lohnsteuerabzug nicht berücksichtigt. Bei der Einkommensteuererklärung (= Veranlagung zur Einkommensteuer) prüft das Finanzamt anschließend, ob der Steuervorteil durch Kinder- und Erziehungsfreibetrag höher ist als das Kindergeld. Wenn das der Fall ist, mindert das bereits gezahlte Kindergeld den Steuerbonus. Es kann also niemals Freibetrag und Kindergeld gleichzeitig in Anspruch genommen werden.

Hinzurechnungsbetrag

Der steuerliche Grundfreibetrag sowie der Arbeitnehmerpauschbetrag werden nur im ersten Arbeitsverhältnis berücksichtigt. Die Steuerklasse VI gilt für ein zweites und jedes weitere Dienstverhältnis, wenn zur Abrechnung die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale benötigt werden. Bei mehreren Arbeitsverhältnissen mit geringem Arbeitslohn werden der Grundfreibetrag sowie der Arbeitnehmerpauschbetrag häufig nicht ausgeschöpft. Der Arbeitslohn des Arbeitnehmers im zweiten Dienstverhältnis unterliegt aber in voller Höhe dem Lohnsteuerabzug.
Seit 1.1.2000 gibt es auch einen Hinzurechnungsbetrag, den der Arbeitgeber dem Arbeitslohn hinzurechnen muss, bevor er die Lohnsteuer aus der Lohnsteuertabelle abliest. Für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge ist ein Hinzurechnungsbetrag ohne Bedeutung.
Hat ein Arbeitnehmer mehrere Arbeitsverhältnisse, so verhindert dieses Verfahren, das bereits beim Lohnsteuerabzug zu hohe Lohnsteuer einbehalten wird, die sich sonst im Einzelfall durch die Anwendung der Steuerklasse VI im zweiten und jedem weiteren Arbeitsverhältnis ergeben würde.

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