Grundlagen der Lohn- und Gehaltsabrechnung - Personalkosten

Überblick über die Personalkosten

Die Personalkosten stehen immer stärker im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion, wenn es um den Standort Deutschland geht. Hier soll geklärt werden, was sich im Einzelnen hinter den Personalkosten verbirgt.

Personalkosten
Personalbasiskosten Personalzusatzkosten
Hierunter werden die Kosten verstanden, die einen direkten Zusammenhang mit der Leistungserstellung haben. Andere Begriffe sind Leistungslohn, Erster Lohn oder auch Direkter Lohn. Hierunter werden die Kosten verstanden, die über die Personalbasiskosten hinausgehen. Andere Begriffe sind Soziallohn, Zweiter Lohn oder auch Indirekter Lohn.
Hierzu zählen u. a. Zeitlohn, Leistungslohn und Prämienlohn
Hier finden Sie eine Übersicht zu den Lohnformen.
Hierzu zählen u. a. Lohnfortzahlung, Sozialabgaben, Weihnachtsgeld und zusätzliches Urlaubsgeld
Berechnung der Personalzusatzkosten

Damit umfassen die Personalkosten alle Leistungen des Unternehmens, die den Arbeitnehmern direkt oder indirekt als Geld oder geldwerter Vorteil zufließen.

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten bezeichnen den Anteil Arbeitskosten, der auf eine Produkteinheit entfällt. Sie sind ein Maßstab für die Kosten-Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung werden Lohnstückkosten berechnet als der Quotient aus Arbeitnehmerentgelt und Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Hohe Lohnkosten bedeuten nicht automatisch eine schlechte Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Wenn die hohen Lohnkosten mit einer hohen Produktivität verbunden sind, verringern sich die Lohnstückkosten. Arbeitskostensteigerungen verteuern damit nicht automatisch ein Produkt. Ein gleichzeitiger Anstieg der Produktivität kann die Arbeitskostensteigerungen ausgleichen oder sogar überkompensieren.

Laut dem IMK Report 116 vom Juli 2016 besteht für Deutschland weiterhin ein deutlicher preislicher Wettbewerbsvorteil. Zum Abbau von Leistungsbilanzungleichgewichten innerhalb des Euroraums und zur Stärkung der konjunkturellen Entwicklung bedarf es einer anderen Wirtschaftspolitik in Deutschland mit einer expansiven Fiskalpolitik und dauerhaft höheren Lohnsteigerungen. Auszug aus der Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 11.07.2016:

Deutschland rangiert bei den Lohn- und Arbeitskosten für die private Wirtschaft wie in den Vorjahren im westeuropäischen Mittelfeld - Ende 2015 lag die Bundesrepublik unverändert an achter Stelle unter den EU-Ländern. Mit nominal 2,7 Prozent lag der Zuwachs der deutschen Arbeitskosten 2015 oberhalb des Durchschnitts von EU (2,2 Prozent) und über dem sehr niedrigen Mittel des Euroraums (1,6 Prozent). Effekte des gesetzlichen Mindestlohns auf die gesamtwirtschaftliche Arbeitskostenentwicklung sind zwar nicht eindeutig auszumachen, es zeigen sich aber in einigen Dienstleistungsbranchen positive Lohneffekte. Trotz des etwas stärkeren Anstiegs hat Deutschland seinen über Jahre aufgelaufenen Rückstand bei der Entwicklung von Löhnen, Arbeitskosten und Lohnstückkosten noch nicht wieder aufgeholt, was auch zum erneuten Rekordüberschuss der deutschen Leistungsbilanz von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beigetragen hat.

Arbeitskosten je Stunde

Die Arbeitskosten werden in Euro je geleistete Stunde angegeben.

Arbeitgeber in der deutschen Privatwirtschaft bezahlten im Jahr 2015 durchschnittlich 32,70 Euro für eine geleistete Arbeitsstunde. Im Jahr 2015 zahlten die Arbeitgeber in Deutschland in der Privatwirtschaft auf 100 Euro Bruttoverdienst zusätzlich 28 Euro Lohnnebenkosten. (Pressemitteilung Nr. 143 des Statistischen Bundesamts vom 26.04.2016).

Die Arbeitskosten setzen sich aus den Bruttoverdiensten und den Lohnnebenkosten zusammen. Die Arbeitskosten umfassen damit die Gesamtheit aller den Arbeitgebern im Zusammenhang mit der Beschäftigung von Arbeitskräften entstehenden Aufwendungen. Dazu gehören:

  • Bruttolöhne und -gehälter der Arbeitnehmer
  • Soziale Abgaben
  • Kosten der beruflichen Aus- und Fortbildung
  • Berufskleidung

Bei den geleisteten Arbeitsstunden sind Krankheits-, Feier- und Urlaubstage nicht enthalten.

Die Arbeitskosten je Stunde, setzen sich aus dem direkten Stundenlohn (dem Lohn für tatsächlich geleistete Arbeit) und den anteilig verrechneten Personalzusatzkosten zusammen.

Arbeitskosten je geleistete Stunde im Jahr 2015 in Euro
Quelle: Statistisches Bundesamt; Rechenstand: 4. Quartal 2015

Mitgliedstaaten der Europäischen Union (ausgewählte Staaten) Privatwirtschaft Verarbeitendes Gewerbe
Euro Euro Rang
Europäische Union (EU 28) 25,90 26,30 -
Euro-Währungsgebiet (EU 19) 29,60 31,80 -
Dänemark 42,70 42,40 2
Belgien 41,10 43,30 1
Schweden 40,10 41,00 3
Frankreich 35,70 37,00 5
Deutschland 32,70 38,00 4
. . . . . . . . . . . . . . . .
Bulgarien 4,10 3,40 28

In den Wirtschaftsbereichen Deutschlands gibt es dabei aber drastische Unterschiede. Von 14,90 Euro im Gastgewerbe bis 46,80 Euro in der Energieversorgung (Arbeitskosten je geleistete Stunde im Jahr 2012).

Kennzahlen der Personalkosten

Kennzahl Berechnung
Personalkosten je Mitarbeiter (durchschnittlicher Personalaufwand) Personalkosten einer Periode / Durchschnittliche Mitarbeiterzahl
Lohnquote Lohnkosten / Umsatz
Personalintensität Personalkosten / Umsatz
Personalkostenquote Personalkosten / Gesamtkosten
Personalkosten je Stunde Personalkosten / Geleistete Arbeitsstunden

Möglichkeiten zur Senkung der Personalkosten

  • Flexibilisierung der Arbeitszeit über Arbeitszeitmodelle
    Zur Umsetzung dieser Arbeitszeitmodelle ist in der Regel ein Arbeitszeitkonto notwendig.
  • Befristung von Arbeitsverhältnissen bei unklarer Auftragslage.
  • Senkung von Fehlzeiten
    Mit einem effizienten betrieblichen Gesundheitsmanagement lassen sich Unfälle vermeiden, Kosten für Behandlungen senken und die Arbeitsfähigkeit fördern (Betriebliche Gesundheitsförderung).
  • Vor der Festeinstellung das Beschäftigungsniveau durch Leiharbeit (Zeitarbeit) auf die aktuelle Nachfrage anpassen.
  • Auslagerung von bestimmten Unternehmensaufgaben an Drittunternehmen.

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