Stundenlöhne im Niedriglohnsektor - Niedriglohnbeschäftigung

Zur Bestimmung des Umfangs der Niedriglohnbeschäftigung wird in der Regel eine Niedriglohnschwelle von zwei Dritteln des mittleren Stundenlohns (Median) verwendet.
Die Niedriglohngrenze lag 2014 bei einem Bruttoverdienst von 10,00 Euro pro Stunde. Insgesamt erhielten etwa 21% aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Verdienst unterhalb dieser Grenze (Quelle: Statistisches Bundesamt, Verdienste auf einen Blick, 2017).

Das Institut Arbeit und Qualifikation - IAQ der Universität Duisburg-Essen verwendet auch eine Niedriglohnschwelle von zwei Dritteln des mittleren Stundenlohns. Die Analysen zur Entwicklung der Niedriglohnbeschäftigung beziehen sich auf alle abhängig Beschäftigten (einschließlich sozialversicherungspflichtiger Teilzeitarbeit und Minijobs). Selbständige und Freiberufler_innen sowie mithelfende Familienangehörige wurden ausgeschlossen, da sich für sie ein Stundenlohn nicht sinnvoll berechnen lässt. Nicht berücksichtigt wurden darüber hinaus auch Auszubildende, Praktikanten, Personen in Rehabilitation, Umschulung sowie in weiteren arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, Beschäftigte in Behindertenwerkstätten, Personen im Bundesfreiwilligendienst sowie Beschäftigte in Altersteilzeit. Zudem bezieht sich die Auswertung auf Personen, die mindestens 18 Jahre alt sind.
Die Niedriglohnschwelle (berechnet auf Basis der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit) hat sich in den letzten drei Jahren von 9,60 Euro pro Stunde im Jahr 2013 auf 10,44 Euro im Jahr 2016 erhöht.
Beschäftigung im Niedriglohnbereich 2013 - 2016:

Jahr Niedriglohnschwelle Niedriglohnanteil gesamt
2013 9,60 Euro pro Stunde 22,9%
2014 9,97 Euro pro Stunde 22,6%
2015 10,22 Euro pro Stunde 22,6%
2016 10,44 Euro pro Stunde 22,7%

Quelle: IAQ-Report 2018-06 (Institut Arbeit und Qualifikation)

Für einen Stundenlohn unterhalb der Niedriglohnschwelle arbeiteten nach Berechnungen des IAQ im Jahr 2016 knapp 84% der Minijobber/innen, fast 59% der Jüngeren (unter 25 Jahre), 44% der Beschäftigten ohne abgeschlossene Berufsausbildung, fast 39% der befristet Beschäftigten und gut 37% der Ausländer/innen.

In Deutschland gibt es ab 01.01.2015 einen allgemeinen, für alle Arbeitsverhältnisse gültigen, durch Gesetz festgelegten Mindestlohn.
Trotz der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns hat sich der Umfang der Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland im Jahr 2016 nicht verringert. Der gesetzliche Mindestlohn hat die Löhne im unteren Bereich komprimiert, sie aber nicht über die Niedriglohnschwelle angehoben.

Der DIW Wochenbericht 14 / 2019 enthält einen Bericht mit dem Thema: "Der Niedriglohnsektor in Deutschland ist größer als bislang angenommen"
Kernaussagen:

  • Anteil der Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland hat zwischen 1995 bis 2008 stark zugenommen, seitdem stagniert er bei etwa einem Viertel
  • Die absolute Zahl der Niedriglohnbeschäftigungsverhältnisse liegt zuletzt bei neun Millionen - inklusive Nebentätigkeiten
  • Mindestlohn hat Bruttostundenlöhne im untersten Dezil überproportional steigen lassen aber Anteil der Niedriglohnbeschäftigten nicht gesenkt
  • Lohnmobilität aus dem Niedriglohnsektor heraus ist gering und steigt nicht
  • Absenken der Verdienstgrenzen bei Minijobs, bessere Qualifizierung und offensivere Lohnpolitik könnten dazu beitragen, Niedriglohnsektor einzudämmen

Der Vorschlag zur Minijobreform enthält folgende Aussagen:

Will man die Beschäftigungssituation von Niedriglohnbeschäftigten verbessern, so ist unter anderem an eine Reform der geringfügigen Beschäftigung zu denken. Das Thema ist auf der Agenda der Politik: Die FDP-Bundestagsfraktion hat im vergangenen Jahr einen "Gesetzentwurf zur Dynamisierung der Verdienstgrenzen der geringfügigen Beschäftigung (Minijobs)" präsentiert. Eine solche Reform hätte die dauerhafte Etablierung eines großen Niedriglohnsektors zur Folge. Deutschland hat aber im europäischen Vergleich schon einen der größten Niedriglohnsektoren. Würde man stattdessen die Verdienstgrenzen von Minijobs absenken, so könnte die Zahl geringfügig und entsprechend häufig schlecht entlohnter Beschäftigungsverhältnisse reduziert werden. Es würde dazu führen, dass Minijobs in sozialversicherungspflichtige Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung umgewandelt werden. Dies wäre insofern begrüßenswert, als dass neben einer besseren Entlohnung so Sozialversicherungsansprüche erworben würden und mit Verbesserungen im Bereich von Urlaubsansprüchen oder Krankheitsfortzahlung zu rechnen wäre. Vor dem Hintergrund einer starken Beschäftigungsnachfrage ist das Risiko von Arbeitsplatzabbau aktuell als gering einzustufen. Erfahrungen aus der Einführung des Mindestlohns zeigen zudem, dass Branchen, die vom Mindestlohn besonders betroffen waren, die gestiegenen Arbeitskosten zumindest partiell auf die Preise überwälzten und die Beschäftigungseffekte eher klein sind. Allerdings bestünde möglicherweise die Gefahr, dass die betroffenen Beschäftigungsverhältnisse zum Beispiel durch Automatisierung substituiert werden könnten.

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