Stundenlöhne im Niedriglohnsektor - Niedriglohnbeschäftigung

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Zur Bestimmung des Umfangs der Niedriglohnbeschäftigung wird in der Regel eine Niedriglohnschwelle von zwei Dritteln des mittleren Stundenlohns (Median) verwendet.
Das Statistische Bundesamt betrachtet dabei nur Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten und lässt einige Wirtschaftszweige außer Acht. Damit lag die Niedriglohngrenze im Jahr 2010 bei einem Bruttoverdienst von 10,36 Euro pro Stunde.
Bezieht man alle abhängig Beschäftigten (einschließlich sozialversicherungspflichtiger Teilzeitarbeit und Minijobs) mit ein, ist diese Grenze etwas niedriger.

Das Institut Arbeit und Qualifikation - IAQ der Universität Duisburg-Essen verwendet auch eine Niedriglohnschwelle von zwei Dritteln des mittleren Stundenlohns, bezieht aber alle abhängig Beschäftigten mit ein. Ausgeschlossen wurden Selbständige und Freiberufler/innen sowie mithelfende Familienangehörige. Nicht berücksichtigt wurden auch Auszubildende, Praktikant/innen, Personen in Rehabilitation, Umschulung sowie in weiteren arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, Beschäftigte in Behindertenwerkstätten, Personen im Bundesfreiwilligendienst sowie Beschäftigte in Altersteilzeit.
Die Niedriglohnschwelle in Deutschland ist von 7,22 Euro im Jahr 1995 auf 10,22 Euro im Jahr 2015 gestiegen. Grund dafür ist das Lohnwachstum in der Gesamtwirtschaft.
Beschäftigung im Niedriglohnbereich 2013 - 2015:

Jahr bundeseinheitliche Niedriglohnschwelle Niedriglohnanteil gesamt
2013 9,58 Euro pro Stunde 23,0%
2014 9,97 Euro pro Stunde 22,7%
2015 10,22 Euro pro Stunde 22,6%

Quelle: IAQ-Report 2017-06 (Institut Arbeit und Qualifikation)

Für einen Stundenlohn unterhalb der Niedriglohnschwelle arbeiteten nach Berechnungen des IAQ im Jahr 2015 gut 77% der Minijobber/innen, knapp 55% der Jüngeren (bis 25 Jahre), fast 44% der Beschäftigten ohne abgeschlossene Berufsausbildung, knapp 38% der befristet Beschäftigten und gut 35% der Ausländer/innen.

In Deutschland gibt es ab 01.01.2015 einen allgemeinen, für alle Arbeitsverhältnisse gültigen, durch Gesetz festgelegten Mindestlohn.

Auszug aus dem IAB Kurzbericht 15/2013 des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit:

Die auf Basis von Stundenlöhnen ermittelten Niedriglohnquoten weisen für Deutschland mit einem Anteil von 24,1 Prozent an allen Beschäftigten den höchsten Wert unter den Vergleichsländern auf, wenn man einmal von Litauen (27,5 Prozent) absieht. Darin zeigt sich ein hierzulande besondes hohes Maß an Lohnungleichheit. Es folgen Zypern, Bulgarien, Großbritannien und Polen mit Quoten zwischen 21,5 und 18 Prozent. Relativ niedrig sind die Quoten dagegen in Belgien, Frankreich, Italien und den skandinavischen Ländern (vgl. Abbildung 1).
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Die Befunde belegen für Deutschland eine besonders starke Ungleichheit der Löhne aus abhängiger Erwerbsarbeit, zumindest in der unteren Hälfte der Lohnverteilung. Ein bemerkenswert hoher Anteil der Beschäftigten erhält weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns und damit einen Niedriglohn. Verglichen mit anderen Ländern betrifft dies Teilzeitbeschäftigte und Frauen besonders stark. Das Phänomen zeigt sich darüber hinaus aber auch bei Beschäftigten, die zum Kernbereich des ersten Arbeitsmarkts gezählt werden können, und dies stärker als in anderen Ländern.

Das IAB-Forum Spezial 2013 vom 9. Oktober 2013 stellt folgendes fest:

Bis Mitte der 1990er Jahre folgten die Löhne bei den meisten Gruppen am Arbeitsmarkt einem gemeinsamen Wachstumspfad. Seither wuchsen sie im Schnitt nicht nur deutlich langsamer, sondern auch in sehr unterschiedlichem Tempo: Während die Reallöhne am unteren Ende der Lohnskala abnahmen, legten sie am oberen Ende zu (ausführlicher hierzu ein aktueller Beitrag von David Card, Jörg Heining und Patrick Kline). Inzwischen ist der Anteil der Geringverdiener in Deutschland mit fast einem Viertel höher als in allen anderen alten Mitgliedsländern der EU, wie der IAB-Kurzbericht 15/2013 von Thomas Rhein zeigt. Bemerkenswert ist, dass diese Entwicklung schon lange vor den Hartz-Reformen einsetzte.
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Insbesondere am unteren Rand der Lohnverteilung hat sich zwischen Arbeitslosigkeit und traditionellem Normalarbeitsverhältnis ein Bereich von Beschäftigungsverhältnissen entwickelt, in dem die Lasten und Risiken verstärkt von den Arbeitnehmern getragen werden. Auch wenn diese Arbeitsverhältnisse vielen Erwerbslosen erst den Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglichen und zweifellos dem Verbleib in Arbeitslosigkeit vorzuziehen sind, dürfen sie aus unserer Sicht nicht als Dauerlösung betrachtet werden. Denn nicht selten fallen niedrige Bezahlung, Instabilität, Perspektivlosigkeit, schlechte Arbeitsbedingungen und wiederkehrende Arbeitslosigkeit bei bestimmten Personen zusammen.

Der absolute Tiefpunkt im Niedriglohnsektor waren Auslieferer bei Pizza Planet in Prenzlau. Der Arbeitgeber zahlte zeitweilig 1,59 Euro Stundenlohn. Die Klage des örtlichen Jobcenters hatte Erfolg. Das Arbeitsgericht Eberswalde befand den Lohn für sittenwidrig und verurteilte den Betreiber, rund 11.000 Euro Aufstockungsleistungen zurückzuzahlen.

Der Informationsdienst der Hans-Böckler-Stiftung hat in der Ausgabe Böckler Impuls 16/2013 zum Lohnniveau im Gastgewerbe folgendes festgestellt:

Von den Beschäftigten in der Gastronomie verdienten 2010 mehr als drei Viertel ein Gehalt unter der Niedriglohnschwelle von 9,15 Euro pro Stunde. Im Bereich Beherbergung waren es knapp 65, im Catering 62 Prozent. Selbst ein Normalarbeitsverhältnis biete keinen Schutz, schreiben die Autoren: Etwa 30 Prozent der Vollzeitbeschäftigten müssen mit Niedriglöhnen auskommen. In der Systemgastronomie dürften es nach Schätzungen sogar rund 80 Prozent sein.
Die Folge des niedrigen Lohnniveaus: Fast 160.000 Arbeitnehmer, darunter etwa 70.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, müssen ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken. Damit sei das Gastgewerbe die Branche mit der zweithöchsten Aufstocker-Quote nach dem Reinigungsgewerbe, konstatieren die Experten.
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